Review

Wer sich mit dem Thema DJing beschäftigt hat, weiß: für den richtigen Mix ist ein ganzes Arsenal an Geräten erforderlich. Vom Plattenteller bis zum MacBook muss alles mit an den Ort des Geschehens. Zumindest für Einsteiger oder DJs, die auf dem Weg zur Arbeit ein bisschen mixen wollen, bietet Algoriddim die App djay an. Doch was bietet eine DJ-Software auf dem Tablet-Computer? Kann Sie mit Profi-Software mithalten, oder ist sie eher ein netter Zeitvertreib?

Die Oberfläche

Weitere Menüs

djay präsentiert beim Start kurz nach dem Splash-Screen bereits die Turntables. Um die beiden Decks herum angeordnet findet man eine Vielzahl an Buttons die alle grundlegenden Funktionen abdecken: Songs laden, Cue-Point setzen und abspielen, einen Pitch-Slider zum verändern der Songgeschwindigkeit nebst Button zum erhalten der Tonhöhe, Lautstärkeregler für jedes Deck, Aufnahme- und Einstellungsknöpfe und natürlich der obligatorische Crossfader am unteren Bildschirmrand. Die Anordnung ist typisch und eingängig und darüber hinaus auch hübsch gestaltet. Auf den Plattentellern wird sogar das Cover des geladenen Songs angezeigt und ein Klebestreifen fügt zusätzlich Realismus hinzu. Darüber hinaus wird ein Punkt an der Außenseite der Platte eingeblendet, um den ersten Hitpoint des Songs zu visualisieren.
Über einen weiteren kleinen Button kann pro Deck ein Tab-Menü eingeblendet werden, mit Einstellungen für einen 3-Band-Equalizer nebst Gain-Regler, Loop-Optionen für Loops zwischen 2 und 1/16 Bars sowie Cue-Einstellungen für insgesamt drei verschiedene Cue-Points. In den Grundeinstellungen kann djay weiter angepasst werden, u.a. die Aktivierung für das Split-Output, Gesamtlautstärke (entspricht der Systemlautstärke), Übergangsstile, Autoplay für geladene Titel und noch sehr viel mehr, teilweise sehr detailreich.

Funktionalität

Aufnahme-Funktion

Jeder der bereits ein typisches DJ-Setup betrachtet hat, wird sich hier schnell zurecht finden. Nachdem zwei Tracks geladen wurden kann direkt losgelegt werden. Der erste Songs wird abgespielt, djay analysiert automatisch die Geschwindigkeit in BPM (Beats per minute) und zeigt sie oberhalb des Pitch-Sliders an. Mit einem Tap auf Sync im jeweiligen Deck kann die Geschwindigkeit an die des jeweils anderen Decks angepasst werden. Geübte djays können die Anpassung (Beatmatching) aber auch traditionell über den Pitch-Slider vornehmen, hier ist natürlich mehr Feingefühl gefragt.
Die beiden Plattenteller sind aber zu weitaus mehr fähig als nur gut auszusehen: es ist möglich, mit dem Finger zu scratchen und zu scrobben, also durch drehen der Platte die richtige Stelle im Song zu finden. Sobald an der Scheibe gedreht wird, zoomt die Wellenform am oberen Bildschirm rein und es kann präzise ein Cue-Point gesetzt werden. Wünschenswert wäre hier gewesen, das in der Wellenform die konkreten Hitpoints angezeigt werden, da man ohne diese nicht präzise genug arbeiten kann.
Die Aufnahmefunktion erlaubt es darüber hinaus die eigenen Mix aufzunehmen. Man tippt auf den Aufnahmeknopf und schon werden alle Aktionen die man in der djay-App fabriziert ,aufgezeichnet und können anschließend über iTunes übertragen werden.

Vergleich zu einem echten Setup

djay auf dem iPad reicht leider nicht an ein originales Setup heran. Die Bedienung über den Touchscreen ist zwar sehr intuitiv und reagiert stets schnell, bietet jedoch zu wenig Feedback für die Finger. Darüber hinaus sind im ganzen nur die Grundfunktionen vorhanden. Dennoch hebt sich die App von reiner Spaßsoftware ab. Durch die multiplen Cue-Points kann ein Song sehr individuell gemixt werden, und durch das Split-Output kann mit einem entsprechenden Adapter ein Kopfhörer neben dem Ausgang angeschlossen werden, sodass der Benutzer vorhöhren kann. Besonders positiv aufgefallen ist die Möglichkeit, per MIDI-Output einen externen Controller anzuschließen. Kompatibel sind hier nur Core-MIDI Geräte, aber so kann das iPad in ein erweitertes Setup integriert werden und als Datenbasis genutzt werden.

Fazit

djay ist eine sehr interessant App. Sie bietet zum einen für Anfänger einen leichten Einstieg in das DJing, zum anderen genug Tiefe um geübte DJs unterwegs zu unterhalten. Nach kurzer Eingewöhnungsphase können schnell erste Erfolge verzeichnet werden. Die Gestaltung ist intuitiv und entspricht durchaus dem gehobenen Standard im App Store. Ernsthaft kann die App jedoch nur auf privaten Partys eingesetzt werden, da sie für das professionelle Umfeld einfach zu wenig bietet. Allem voran natürlich die Hardware. djay ist ebenfalls für das iPhone und für den Mac erhältlich.

djay - algoriddim


About the Author

Franz
Musikproduzent und Webdesigner. Testet mit iPhone, iPad 2 und Macbook Pro.