Review

FL Studio (ehemals Fruity Loops) ist auf den Desktop-PCs vieler Musikproduzenten, ob Hobby oder Professionell, nichtmehr wegzudenken. Seit Jahren wird die Software stets erweitert und verbessert und kann durch einen ausgereiften Workflow und sehr gute Qualität überzeugen. Image-Line, die Entwickler von FL Studio, haben nun eine mobile Version ihres Musikprogramms veröffentlicht, welches in zwei Versionen, eine für das iPhone und eine für das iPad, im AppStore verfügbar ist. FL Studio Mobile HD für das iPad ist die Antwort auf die Frage nach der Produktion unterwegs und verfolgt dabei ein paar sehr innovative Ansätze.

FL Studio Mobile HD

Die Oberfläche

FL Studio Mobile präsentiert sich wie auch die Desktop-Version in den typischen Graufarben und dem markanten Orange aus dem Logo. Am oberen Bildschirmrand finden sich sechs Tabs, die allesamt die Oberkategorien des Programms offenbaren. Teilweise sind diese kontextabhängig. Erreichbar von hieraus ist das “Keyboard” oder das “Drum Pad” die im allgemeinen dazu dienen, das aktuell ausgewählte Instrument zu spielen. Unter “Instruments” sind alle installierten Instrumente, sowie Einstellungen wie Panorama, Volume, Attack und Release des Instruments. Unter “Tracks” wird die Ansicht des Songs anhand einer Zeitlinie dargestellt. Es lassen sich die Ansichten zum Bearbeiten der Spuren und die Bearbeitungsansicht für einzelne Clips (entweder Piano Roll, eine ausgelegte Klaviatur nebst Zeitlinie, sowie Step Sequencer) hinzuschalten. “Projects” offenbart das Projektmanagement, unter dem sich Projekte verwalten und auch Demosongs aufrufen lassen. Unter “Setup” findet man noch Einstellungen zum Programm, u.a. Latenzeinstellungen, Sensitivität des Pitch Bends oder die Länge des Vorzählers des Metronoms. Die gesamte Oberfläche wirkt aufgeräumt und nach kurzer Eingewöhnung findet man sich schnell zurecht. Die Buttons sind relativ groß und erleichtern somit die Bedienung.

Piano Roll

Tonauswahl und -qualität

Die vorinstallierten Instrumente weisen allesamt eine nüchterne Qualität auf. Sie sind ohne Effekte versehen, was auch gut ist, da man so mehr Freiraum in der Gestaltung der Elemente hat. Die Auswahl erstreckt sich über verschiedene Drum Kits und Synth Leads bis hin zu Loops und FX-Sounds. FL Studio Benutzern wird auffallen, dass die Instrumente teils von den ebenfalls von den Entwicklern vertriebenen Plug-Ins wie z.B. Sytrus oder PoiZone stammen und daher ihrerseits das Feeling des großen Vorbilds nachempfinden. Positiv aufgefallen sind hier die Einstellungsmöglichkeiten: von jedem Sample lassen sich Attack- und Releasezeiten einstellen und innerhalb der Drum Kits lassen sich einzelne Percussions austauschen. So ist man nie an Vorgaben gehalten, sondern kann sich selbst die Sounds suchen, die man verwenden möchte. Bei der Auswahl erleichtert zu dem ein Preview-Knopf die Suche nach dem richtigen Sound. Wem die Bordmittel nicht reichen, kann sich über das iTunes-File-Sharing neue Instrumente auf sein Gerät laden, sogar eigens kreierte Pakete lassen sich verwenden.

Bearbeitung und Arrangement

Eines der wichtigsten Kriterien bei Musikprogrammen ist der Workflow. Er bestimmt, ob und wie ein Anwender seine Ideen einbringt, und wenn ein Programm hinderlich dabei ist, kann es die Kreativität eines Künstlers einschränken. FL Studio Mobile orientiert sich auch hier wieder am großen Vorbild und vereint mit Bravur eine Aufnahmefunktion mit sinnvoller Nachbearbeitung. Dabei kann zum einen das Spielen eines Instruments live aufgezeichnet werden, und danach im Piano Roll quantisiert (also an feste Tonlängenvorgaben angepasst) und verschoben werden. Somit lassen sich schnell Spielfehler korrigieren oder neue Ideen implementieren. Die Aufnahme unterstützt dabei ebenfalls den Loop-Modus, indem die Takte stets wiederholt werden und man neue Noten hinzuspielen kann. Auf diese Weise lassen sich komplexe Melodien einfach einspielen.
Über das reine Arrangement hinaus lassen sich auf die Kompositionen Effekte anwenden. Es lässt sich aus einem Repertoire von sechs Stück auswählen, darunter ein EQ, ein Limiter und ein Filter. Der Filter-Effekt lässt sich aufzeichnen und erlaubt so nette Effekte im fertigen Song. Die Effekte wirken global, es lässt sich jedoch pro Spur im Track-Editor einstellen, ob die jeweilige Spur die Effekte verwenden soll.
Die Erstellung eines Songs geht denkbar einfach. Durch die Klaviatur auf dem Touchpad hat der Nutzer quasi einen Ersatz für ein externes MIDI-Keyboard und Drumpad (wie z.B. bei einer MPC). Eingespielte Noten und Steps lassen sich in Clip-ähnlicher Form sehr einfach in den Spuren anordnen, kopieren, verschieben und auch auf andere Spuren übertragen. Im Detail lassen sich die Noten auch einzeln bearbeiten und im Falle des Step-Sequencers können einzelne Noten verschieden laut oder unterschiedliches Panorama haben.

Track-Editor

Schwächen

FL Studio Mobile bietet gerade auf dem iPad eine gute Möglichkeit Ideen und Kreationen unterwegs zu verwirklichen doch einige Schwächen lassen sich nicht von der Hand weisen. Die mobile Suite kommt leider nicht an das Original heran und bietet noch zu wenig Möglichkeiten professionelle Produktionen herzustellen. Zum Beispiel sind die Instrumente Pakete aus Samples und keine echten Synthesizer. Aber das ist auch nicht das Hauptaugenmerk der Applikation, zum Glück. Desweiteren haben mir an der ein oder anderen Stelle kleinere Optionen gefehlt, z.B. ein Button um in der Piano-Roll-Ansicht alle Noten auf einmal auszuwählen.
Was mir ebenfalls fehlt ist ein Audiorekorder. GarageBand beispielsweise lässt den Nutzer Samples vom eingebauten Mikrofon aufnehmen und verwenden. Da das interne Mikro allerdings eh kaum Profis ansprechen dürfte, da die Qualität für Produktionen unbrauchbar ist, fällt dies nicht ganz so schwer ins Gewicht.

Keyboard

Fazit

FL Studio Mobile macht auf dem iPad sehr viel Spaß. Es kann mehr als manche Konkurrenzprodukte und kann mit einer guten Auswahl an Effekten und Sounds, sowie der leichten Erweiterbarkeit aufwarten. Der Workflow stimmt und die Bearbeitungsmöglichkeiten bieten viel Freiraum und Präzision, sodass genre-versierte Nutzer nach wenigen Momenten bereits erste Kompositionen erstellen können. Durch den Export in ein von der Desktop-Variante lesbares Format wird auch die Nachbearbeitung am PC leicht gestaltet und macht diese App zu einer der Besten, wenn nicht sogar die Beste, auf dem iPad in Sachen Musikproduktion. Wer ein mobiles Scratchpad für seine musikalischen Einfälle sucht oder einfach gerne im Zug mal klimpert, sollte hier näher hinsehen.

FL Studio Mobile HD - Image Line Software


About the Author

Franz
Musikproduzent und Webdesigner. Testet mit iPhone, iPad 2 und Macbook Pro.