Review

Als angehender Entwickler gibt es eine Palette an Tools, auf die man nie verzichten könnte. Allen vorran gibt es da die IDEs (Integrated Development Environment) die grundlegend einen Editor mit Syntax-Hervorhebung mit einem Compiler verbinden und darüber hinaus noch so Einiges mehr bieten. Auf den mobilen Plattformen ist von Entwicklungstools aber leider immernoch nicht viel zu sehen – die Ausnahme hier: Textastic. Diese App vereint einen ansprechenden Editor mit Vorschau- und Uploadtools und dürfte gerade für Webentwickler sehr interessant sein.

Das es nicht sonderlich viele Apps dieser Art gibt, hat natürlich seine Gründe: Komfort und Workflow auf mobilen Geräten wie dem iPad sind weitaus nicht so gut wie auf den traditionellen Systemen. Nichtsdestotrotz verspüre ich als Webentwickler dennoch den Wunsch, auch auf meinem Tablet auf meinen Code Zugriff zu haben.

Vollbildansicht

Textastic nimmt sich genau dem an. Es umfasst zum Einen einen Texteditor mit allem was das Entwicklerherz begehrt: Syntax-Highlighting, Zeilennummerierung, Tabs. Bemerkenswerter Zusatz: eine horizontal scrollbare Symbolleiste über der einblendbaren Standardtastatur mit Schnellzugriff auf die wichtigsten Zeichen, u.a. alle Arten von Klammern, Slashes und Sonderzeichen die man beim Programmieren eben braucht.  Damit entfällt direkt das lästige Umschalten zwischen den Sonderzeichentastaturen auf dem iPad und es lässt sich wesentlich schneller tippen. Es bleibt aber weiterhin Gewohnheitssache, es braucht einige Zeilen bis man eine annehmbare Tippgeschwindigkeit erreicht hat.
Das Editorfenster lässt sich stufenlos zoomen und bietet stets scharfen Text. An der oberen rechte Ecke befindet sich zudem ein kleiner Kasten mit Informationen zu Zeile und Spalte – unabdingbar um Fehler aus einer Fehlermeldung aufzuspüren. Darüber befinden sich Bedienelemente, welche direkt mit der Datei im Zusammenhang stehen.
Über “Suchen und Ersetzen” lassen sich Textfetzen aufspüren und durch Andere ersetzen. Bei der Suche werden sogar hübsche kleine Vorschauen vom jeweiligen Umfeld des Fundortes angezeigt und erst nach einem Tippen auf diese springt der Editor zu jener Stelle. Dadurch entfällt das nervige Scrollen beim Durchschalten der Ergebnisse, wie man es von anderen Editoren her kennt.
In den “Dateieigenschaften” findet man alles zur Datei an sich: vom Namen, über die respektive Serververbindung bis hin zur (änderbaren) Syntax-Definition sowie Gesamt Zeilen- und Zeichenanzahl.
Über ein neben diesen beiden Button liegendes Kontextmenü kann der Anwender dann die Datei hochladen, die neueste Version dieser vom Server beziehen, per Mail verschicken oder in einer anderen App öffnen. Auf der anderen Seite der oberen Leiste befinden sich die Knöpfe zum Widerrufen sowie der Umschalter zwischen Code- und Vorschauansicht. Die Vorschauansicht machte im Test bei PHP-Dateien verständlicherweise Probleme, das es keinen Server zum Ausführen des Codes auf dem iPad gibt. Schön wäre hier gewesen, das die jeweilige Serververbindung verwendet wird, um die Vorschau online abzurufen. Da dies aber einen zuvorrigen Upload der geänderten Datei erfordert, kann die Lösung wie sie hier präsentiert wird, durchaus nachvollzogen werden.

Dateitransfer

Auf der linken Seite der App befindet sich der ausblendbare Dateibrowser. Wie im iOS gewohnt findet die Navigation über Tippen auf Ordner und Dateien sowie die Buttons in der oberen Leiste statt. Am unteren Rand befinden sich weitere wichtige Elemente. Neben Zugang zu WebDAV-Server und Programmeinstellungen, findet man hier auch die Option eine neue Datei oder einen neuen Ordner anzulegen.
Das wohl wichtigste Element hier bietet aber wohl der “Dateitransfer”. Mit einem Tippen schaltet die Umsicht auf den typischen Client-Server-Dateibrowser um. Während auf der linken Hälfte die lokalen Dateien angezeigt werden, findet man rechts eine Liste mit den eingetragenen Servern. Hier sind alle wichtigen Funktionen enthalten: Hoch- und Runterladen von und zum Server, neue Verbindungen hinzufügen oder Bestehende editieren, Dateien löschen. Bemerkenswert hier: es lassen sich ebenfalls komplette Verzeichnisse herunterladen.

Suchen und Ersetzen

Textastic bietet wahrhaft eine Fülle an Funktionen. Die Anbindung an verschiedenste Servertypen wie (S)FTP, WebDAV und sogar Dropbox und MobileMe (in naher Zukunft wohl iCloud) macht die App sehr flexibel einsetzbar und die unterstützten Syntaxen sind zahlreich. Neben den üblichen Vertretern C, C++, CSS, HTML, XML, PHP, Java, JavaScript und SQL findet man auch besondere Modi wie LUA, PDF, ActionScript 3, Apache (zb. htaccess-Dateien), Fortran, MySQL, Pascal und Ruby. Die App ermöglicht es unterwegs kleinere bis mittelgroße Codeänderungen durchzuführen und bietet einige sehr sinnvolle Designelemente wie die bereits genannten Suchen-Vorschau und die Sonderzeichenleiste über der normalen Tastatur. Selbst das Syntax-Highlighting beim Wechsel der Sprache, z.b. beim Einschub von PHP in einer HTML-Seite funktionierte nahtlos. Ein paar Macken lassen sich jedoch nicht von der Hand weisen. Zum Beispiel werden logische Begriffe wie “or” im Fließtext einer HTML-Seite als solche erkannt, obwohl sie es in dem Kontext garnicht sind, und hervorgehoben. Dies sind aber eher kleinere Schönheitsfehler, die den Workflow nicht wesentlich behindern. In Zukunft wäre Code-Completition per Update noch sehr interessant. Ob dies kommt steht aber in den Sternen. Textastic ist eine wunderbare App für alle Entwickler, insbesondere Webentwickler, und das zu einem relativ günstigen Preis.


About the Author

Franz
Musikproduzent und Webdesigner. Testet mit iPhone, iPad 2 und Macbook Pro.